Kiel im Mai 2017: Ausstellungseröffnung mit Zerbster Mitwirkung

Kiel im Mai 2017: Ausstellungseröffnung mit Zerbster Mitwirkung

Annegret Mainzer, Zerbst

Seit dem Jahr 2009 bestünden Beziehungen zwischen dem im Jahr 1992 gegründeten Internationalen Förderverein „Katharina II.“ Zerbst e.V. und dem Kieler Zarenverein, der im Jahr 2008 seine Arbeit aufnahm, so beschrieb Jörg Ulrich Stange, der Vorsitzende des Kieler Zarenvereins, den Anfang ihrer Zusammenarbeit. Seitdem können beide Vereine auf eine Reihe von Höhepunkten gemeinschaftlichen Wirkens zurückschauen. Zunächst waren Vertreter des Kieler Zarenvereins im Sommer 2010 zu Gast in Zerbst/Anhalt und wurden Augenzeuge der festlichen Enthüllung und Weihe des vom Moskauer Bildhauer Professor Michail Perejaslewez geschaffenen Denkmals für Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, die als russische Zarin Katharina II. europäische Geschichte schrieb. Nach einer Zeit der Funkstille trafen beide Vereinsvorstände den Entschluss, etwas Konstruktives mit vereinten Kräften auf die Beine zu stellen. So kam es, dass der Kieler Zarenverein, seine auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende mobile Ausstellung über die Persönlichkeit und das Wirken von Zar Peter III. während der 51. Zerbster Kulturfesttage im Jahr 2016 in Zerbst/ Anhalt präsentierte.

https://zerbstergazette.wordpress.com/2016/02/17/erstmalige-begegnung-zwischen-katharina-ii-und-peter-iii-in-zerbster-sparkasse/

Hintergrundwissen:

Das Ziel des Kieler Zarenvereins besteht darin, das durch in Literatur und Verfilmungen evidente Verunglimpfungen geprägte Bild von Zar Peter III. der als Herzog Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf in Kiel das Licht der Welt erblickt hatte, ins historisch rechte Licht zu setzen. Wollen die Kieler Zarenfreunde doch zeigen, dass Zar Peter III., übrigens ein Enkel von Zar Peter dem Großen, kein verspielter großer Junge mit einem Tick fürs Militärische und einer naiven Zuneigung zu Preußenkönig Friedrich II. war, sondern durchaus nach seiner Thronbesteigung willens war, im Russischen Reich Reformen durchzuführen, was jedoch wenig publiziert wurde und wird. Während seiner 186-tägigen Regierungszeit erließ Zar Peter III. zahlreiche Gesetze und Verordnungen zur Modernisierung des Lebens des Adels und der Leibeigenen. Dabei ging es u.a. um die Aufhebung des Dienstpflicht des Adels, um die Abschaffung der Folter und Enteignung der orthodoxen Kirche sowie um den Sonderfrieden mit Preußen, um die Beendigung des Siebenjährigen Krieges zugunsten Preußens. Letzteres stieß bei den Russen auf Unverständnis und es führte zu seinem Ableben.

Diese bereits in Zerbst/Anhalt gezeigte mobile Wanderausstellung wurde am 29. April 2016 im Beisein von Wladimir Grinin, Botschafter der Russischen Förderation in Deutschland, im Russischen Haus der Wissenschaft und Kulur in Berlin festlich eröffnet.

https://zerbstergazette.wordpress.com/2016/04/30/ausstellungen-bieten-einladung-zum-rendevous-mit-russland-zwischenstation-zerbst-anhalt/

Sowohl bei der Ausstellungseröffnung in Zerbst/ Anhalt wie auch in Berlin gestalteten Tatyana Nindel, Vorsitzende des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. und Prof. Dr. Helmut Grieser vom Kieler Zarenverein, eine fiktive Spielszene „Am Petersburger Zarenhof“, wie sie wahrscheinlich nie stattgefunden hat, die aber durchaus aktuelle Bezüge in sich trägt, wenn man die aktuelle politische Situation in Europa und die gegenwärtigen deutsch-russischen Beziehungen Revue passieren lässt.

  

Auch am 12. Mai 2017 zur Eröffnung der Ausstellung Katharina II. und Zar Peter III. in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel gestalteten Katharina II. und Peter III. alias Tatyana Nindel und Prof. Dr. Helmut Grieser erneut eine improvisierte, aber auch durchdachte und zielorientierte Spielszene aus dem Reich der Fiktion. Hierbei erörtern die beiden einstigen Monarchen, wie wohl ein Denkmal für beide für die Nachwelt beschaffen sein und welche Inschrift das Podest wohl tragen soll. Peter, dabei der etwas Eifrigere, der sowohl in russischer und in deutscher Sprache seinen Gedanken freien Lauf lässt, jedoch etwas unsicher – übrigens eine hervorragende Stimmarbeit von Darsteller Helmut Grieser – des Öfteren Rat bei seiner Gemahlin Katharina einholt, die wiederum punktgenau pariert und versucht, die übersprudelnden konsensorientierten Gedankensprünge ihres Partners etwas zu drosseln, um das Publikum nicht zu überfordern.

Schlussendlich einigen sich beide darauf, ihr Denkmal soll dem Monument gleichen, das dem Arbeiter und der Kolchosbäuerin gewidmet ist, von Vera Muchina geschaffen wurde und sich auf dem Gelände der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft in Moskau befindet.

  

Die wichtigste Aussage der von Nindel und Grieser gezeigten Performance par excellence stellt das Bekenntnis beider Monarchen zum Frieden dar. Letztendlich stellte der Friede, mit dem Zar Peter III. den Siebenjährigen Krieg beendete, nicht nur die Rettung für Preußen vor einer Niederlage dar, sondern rettete sicher zahlreichen Kämpfern das Leben. Und Frieden ist auch in unserer Zeit eine der aktuellsten und dringlichsten Fragen.

Peter III.: „Von Russland geht das Gute aus.“

Katharina II.: „Wisst Ihr, wie man eine Große wird? – Man nimmt von all seinen Männern das Beste.

Peter III.: „Der Friede ist am wichtigsten.“

Zuvor hatten honorige Persönlichkeiten aus Kiel und Zerbst/ Anhalt wie Dr. Jens Ahlers, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, Hans-Werner Tovar, Stadtpräsident der Stadt Kiel, Antje Rohm, Kulturamtsleiterin der Stadt Zerbst/Anhalt, Tatyana Nindel, Vorsitzende des Internationalen Fördervereins „Katharina II“ Zerbst e.V. und Jörg Ulrich Stange, Vorsitzender des Kieler Zarenvereins, in ihren Grußworten nicht nur das Entstehen dieser Ausstellung und das Wirken der beiden Protagonisten – Katharina II. und Peter III.- hinterfragt, sie würdigten auch die wachsende Zusammenarbeit der beiden Vereine und wie sich die sich daraus ergebenden Synergieeffekte positiv auf die Städte Kiel und Zerbst/Anhalt auswirken. Über das gemeinsame Wirken des Katharina- und des Zarenvereins kam es auch zur Idee der Ausstellung Katharina II. und Peter III. in Kiel, die mit Exponaten aus Kiel, aber auch aus Zerbst/ Anhalt und aus dem Hause des Herzogs von Oldenburg bestückt ist und noch bis zum 09. Juli 2017in Kiel zu sehen ist. Herzog Huno von Oldenburg und seine Gattin ließen es sich nicht nehmen, der Ausstellungseröffnung beizuwohnen.

Absoluter Höhepunkt der Ausstellungseröffnung stellte jedoch die öffentliche Präsentation des großformatigen Gemäldes Die erste Begegnung auf Schloss Eutin der anwesenden russischen Malerin Elena OrlovaAfinogenova auf schleswig-holsteinischem Terrain dar. Ihre Darstellung des ersten Begegnung der Zerbster Prinzessin und des holsteinischen Herzogs im Jahr 1739 auf Schloss Eutin fand begeisterte Zustimmung bei den zahlreich erschienenen Gästen. Nach Kiel war auch eine fast zwanzigköpfige Delegation des Katharinavereins aus Zerbst/Anhalt gereist.

 

Im Anschluss an die festliche Eröffnung der Ausstellung Katharina II. und Zar Peter III. gab es unter den gefühlt 300 Gästen einen regen Meinungsaustausch über Historie und Gegenwart, über Eigenheiten und Gemeinsamkeiten sowie über die zahlreichen interessanten Exponate.

  

Während der angeregten Diskussion zwischen den Zebster Katharinafreunden und Kieler Zarenfreunden wurde auch die Idee geboren, im Jahr 2018 gemeinsam nach St. Petersburg zu reisen, um gemeinsam auf den Spuren von Katharina II. und Peter III. zu wandeln. Möge diese Idee keine Champagnerlaune bleiben, sondern ihre Umsetzung finden!

Zerbst, den 17. 05.2017

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