Ehrung eines Roßlauer Ingenieurs unter Zerbster Mitwirkung

Ehrung eines Roßlauer Ingenieurs unter Zerbster Mitwirkung

Annegret Mainzer, Zerbst

In diesem Jahr jährt sich der Todestag des am 02. Mai 1763 in Roßlau an der Elbe geborenen Ingenieurs, Astronomen und Hochschullehrers Johann Siegismund Gottfried Huth zum 200. Mal. Anlass für die AG Heimatgeschichte Roßlau im Anhaltischen Heimatbund am 08. Mai zu einer Gedenkveranstaltung in die Astronomische Station „Samuel Heinrich Schwabe“ am WalterGropius-Gymnasium, Europaschule nach Dessau einzuladen.

astronom. Station am Gropius-Gymnasium Dessau

Johann Siegismund Gottfried Huth, der an den Universitäten Frankfurt/Oder, Charkov (Ukraine) und Dorpat (heute:Tartu/Estland) gelehrt hatte, war der erste Wissenschaftler, der den Begriff ´telephon´ in der Übersetzung einer wissenschaftlichen Abhandlung verwendet hatte, lange Zeit, bevor 1861 Philip Reis den Vorgänger des Telefonapparates vorstellte. Von 1804-1807 hatte Huth vier Kometen entdeckt.

Bereits im Vorfeld der Roßlau-Dessauer Gedenkveranstaltung hat sich reger Informationsaustausch zwischen der AG Heimatgeschichte Roßlau, dem Leiter des Stadtarchivs Frankfurt/Oder RalfRüdiger Targiel und Annegret Mainzer, Vorstandsmitglied des Internationalen Fördervereins „Katharina II.“ Zerbst e.V. und des Vereins für Anhaltische Landeskunde, entwickelt. Seit gut 25 Jahren befasst sich die Zerbsterin Annegret Mainzer mit Personen aus Anhalt, die im einstigen Russischen Reich Karriere machten. Sie sprach auf der Gedenkveranstaltung in Dessau über Huths Wirken an den Universitäten Charkov und Dorpat, da über diese Zeit in Anhalt, Huths Heimat, wenig bekannt ist, denn bisher fand dieses Thema erst in einem Beitrag von Annegret Mainzer über die Hochschullehrer aus Anhalt im Russischen Reich im Zerbster Heimatkalender 2014 Erwähnung.

Am Dessauer Gedenkabend begrüßte Klemens Koschig nicht nur die Mitglieder der AG Heimatgeschichte Roßlau, ebenso Mitglieder des Schwabe-Vereins Dessau e.V und des Vereins für Anhaltische Landeskunde.

Zu Beginn ihrer Ausführungen beleuchtete Mainzer Huths Zeit an der Universität in Charkov, wohin er durch Vermittlung keines Geringeren als Goethe kam. Bereits in Frankfurt/Oder hatte Huth auf eigene Kosten astronomische Beobachtungsgeräte angeschafft, diese mit nach Charkov genommen und dort ein erstes astronomisches Kabinett eingerichtet. Einige seiner Instrumente werden noch heute dort aufbewahrt. Professor Huths Vorlesungen über Astronomie waren in der Geschichte Charkovs die ersten überhaupt. Zu seinen Verdiensten in Charkov zählten Mainzer zufolge, dass Huths die Schüler des Charkover Gouvernements dazu animierte, meteorologische und astronomische Beobachtungen durchzuführen und dass er durch seine Veröffentlichungen über seine Forschungen in Charkov in Westeuropa und Nordamerika die Charkover Universität bekannter machte.

Annegret Mainzer referiert über Huth

1811 übersiedelte er nach Dorpat, wo er an der Universität Angewandte Mathematik und Astronomie lehrte und 1. Direktor des Observatoriums war. In Vorbereitung auf ihren Vortrag hatte Annegret Mainzer Kontakt zu den Wissenschaftlern des heutigen Dorpater Observatoriums, zurzeit ein Aninstitut der Universität Tartu, aufgenommen und Antwort erhalten. Tõnu Viik, dortiger wissenschaftlicher Mitarbeiter, konnte nicht nur einen Tipp für weiterführende Literatur geben, er schrieb auch, dass man es in Tartu positiv werte, dass Huth nun auch in seiner Heimat von seinen Landsleuten gewürdigt werde. Laut Mainzers Nachforschungen spiegelt eine Reihe von Meldungen in der „Dörptschen Zeitung“ Huths Leben und Tätigkeit in Dorpat wider. Es gibt Meldungen über sein Ableben, über von ihm gemachte astronomische Beobachtungen, aber auch über den vom Dorpater Universitätsgericht angeordneten Verkauf seines Hab und Guts, was darauf schließen lässt, dass Professor Huth zwar ein wissenschaftliches Genie, jedoch kein finanzielles war.

Den Abend beschloss Dr. Michael Teichert, Leiter des gastgebenden Gymnasiums, der den Anwesenden eindrucksvoll und informativ in der astronomischen Station demonstrierte, wie unendlich der Sternenhimmel ist und wie interessant dank moderner interaktiver Technik heutzutage Astronomieunterricht sein kann.

Wer Näheres über das Leben und Wirken von Professor Huth in Deutschland erfahren möchte, dem seien die „Mitteilungen des Historischen Vereins zu Frankfurt/Oder 1/2018“ empfohlen und zu seiner Tätigkeit in Charkov und Dorpat:

https://russianhalthistory.wordpress.com/2018/05/13/der-rosslauer-ingenieur-johann-siegismund-gottfried-huth-in-charkov-und-dorpat/

Zerbst, den 13.05.2018

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